Im beschaulichen Dachau wurde kürzlich Detlev Ebert (79) für sein außergewöhnliches Engagement in der Telefonseelsorge mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet. Seit über 53 Jahren steht Ebert Menschen in Krisensituationen zur Seite und leistet damit einen unsichtbaren, aber ungemein wertvollen Beitrag zur Gesellschaft. „Die Gespräche, die ich führe, sind oft von Einsamkeit und innerer Unruhe geprägt. Es ist wichtig, dass wir in diesen, für die Betroffenen kritischen Momenten, präsent sind“, erklärt Ebert und zeigt damit seine tiefe Überzeugung von der Notwendigkeit seines Engagements.

Detlev Ebert bestreitet drei Nachtschichten pro Monat bei der Telefonseelsorge und hat sich zudem seit mehr als zehn Jahren in der Mailseelsorge engagiert. Viele Anrufer, die Hilfe suchen, sind bereits medizinisch versorgt, kämpfen aber weiterhin mit emotionalen Herausforderungen. Hierbei ist die anonymisierte Struktur der Telefonseelsorge von großem Vorteil, da sie eine Vertrauensbasis bietet, auf der Ratsuchende offen über ihre Probleme sprechen können.

Ehrenamt mit Herz

Eberts Tätigkeit ist mehr als nur ein Ehrenamt – es ist eine Berufung. Er begann seine Laufbahn als Beamter im Sozialreferat der Münchner Stadtverwaltung und hat sein Engagement mit einem klaren Ziel ins Leben gerufen: Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen. „Ehrenamt heißt für mich, eigene Zeit zur Verfügung zu stellen und anderen zu helfen“, sagt er. Oft sind es die kleinen Momente, die große Wirkung zeigen, denn viele Anrufer finden durch seine Hilfe neue Wege und entdecken ihre inneren Stärken.

Und er ist nicht allein: Wie die Telefonseelsorge berichtet, sind viele Ehrenamtliche seit über 40 Jahren aktiv. Die Gründe für dieses Engagement sind vielseitig – unter anderem das Bedürfnis nach sinnvollem Tun und die Bereicherung durch den Kontakt zu Ratsuchenden. Außerdem fördern regelmäßige Weiterbildungen und Supervisionen die persönliche Entwicklung und das Wissen über menschliche Schicksale, wodurch auch die Kommunikation außerhalb der Telefonseelsorge oft positiv beeinflusst wird.

Einblick in die Ausbildung

Die Telefonseelsorge legt besonderen Wert auf die Ausbildung ihrer Ehrenamtlichen. Diese umfasst neben der Gesprächsführung auch den Umgang mit psychischen Erkrankungen und die praktische Arbeit am Telefon, die in der zweiten Hälfte der Ausbildung beginnt. Interessierte können sich bei der nächsten Telefonseelsorge-Stelle melden und nehmen an Kennenlerntagen teil, um ihre Eignung zu prüfen.

Detlev Ebert hat sich durch seine jahrelange Zugehörigkeit nicht nur Freunde unter den Ehrenamtlichen gemacht, sondern auch wertvolle Beziehungen zu den Ratsuchenden aufgebaut, die seine Unterstützung schätzen. „Das Gefühl, helfen zu können, gibt mir das Gefühl, einen positiven Einfluss auf das Leben anderer zu haben“, meint Ebert bescheiden. Und gerade in Zeiten, in denen individuelle Lebenswelten oftmals von Belastungen geprägt sind, ist es umso bedeutender, dass es Menschen wie Ebert gibt, die ein Ohr für die Sorgen anderer haben.

Sein Engagement sorgt dafür, dass die Telefonseelsorge nicht nur ein Ort des Zuhörens und des Ratens ist, sondern ein sicherer Hafen für viele, die auf der Suche nach Unterstützung sind. So bleibt Detlev Ebert auch weiterhin ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wertvoll ehrenamtliche Arbeit für die Gemeinschaft sein kann.