Im Berchtesgadener Land steht die Suizidprävention im Focus: Die Aktionswoche, die von Martina Hüttinger und der Caritas Fachambulanz organisiert wird, hat das Ziel, über die Warnzeichen von Suizid zu informieren und Hürden abzubauen, die Menschen von der Suche nach Hilfe abhalten. „Wir müssen offen über seelische Krisen sprechen, das Tabuthema anpacken und die Menschen ermutigen, Unterstützung zu suchen“, so Hüttinger während der Präsentation der Telefon-Seelsorge, die rund um die Uhr erreichbar ist.
Besonders alarmierend sind die Zahlen aus Deutschland: 2023 wurden über 10.000 Suizidfälle registriert, wobei die Mehrheit der Betroffenen Männer über 50 Jahre alt sind. In den letzten Jahren hat sich zwar die Anzahl der Suizide stabilisiert, doch die Tendenz zeigt in den letzten Jahren wieder nach oben. Im Berchtesgadener Land haben sich von 2020 bis 2022 41 Menschen das Leben genommen, wobei die häufigste Altersgruppe die 50- bis 59-Jährigen sind. Auch für das Jahr 2024 wird in der Region eine hohe Belastung prognostiziert, mit bereits über 40 Fällen, während im benachbarten Landkreis Traunstein 23 Suizidfälle gemeldet wurden.
Warten auf Hilfe
Bezirksrat Georg Wetzelsperger warnte vor langen Wartezeiten für Therapieplätze in ländlichen Regionen. Das zeigt, wie dringend der Bedarf an psychologischer Unterstützung ist, der sich auch in den tausenden von Kontakten zur Telefon-Seelsorge widerspiegelt. Dabei sind die Fallzahlen nur die Spitze des Eisbergs, denn nicht alle Todesfälle werden obduziert, wodurch die tatsächlichen Zahlen möglicherweise höher ausfallen.
Die Aktionswoche möchte vor allem auf die Warnzeichen für Suizid aufmerksam machen: Offenes Reden über Suizid, sozialer Rückzug sowie plötzliche Ruhe nach Anspannung sollten ernst genommen werden. Für eine genaue Risikoeinschätzung bei akuten Suizidäußerungen ist ein Dreischritt empfohlen: die Stärke der Gedanken, frühere Versuche und die Konkretheit der Pläne.
Hilfsangebote für alle Altersgruppen
Doch wie kann man helfen? Zuhören, die Betroffenen ernst nehmen und Verbundenheit zeigen, sind wichtige Schritte. Hilfreiche Maßnahmen wie eine klare Tagesstruktur, Atemübungen, Bewegung in der Natur oder ein persönlicher Notfallkoffer können unterstützend wirken. Neben der Telefon-Seelsorge gibt es auch zahlreiche weitere Beratungsangebote, die Menschen in Not helfen können.
- Evangelische Telefonseelsorge: 0800 1110111
- Katholische Telefonseelsorge: 0800 1110222
- Allgemeine Telefonseelsorge: 116123
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116111
Die Internetberatung MANO bietet anonyme Hilfe für Menschen ab 26 Jahren, während auch spezielle Angebote für junge Leute zur Verfügung stehen, wie die U25 Deutschland, die sich gezielt um unter 25-Jährige kümmert.
Die Informationen über Hilfsangebote sind essentiell, um in Krisensituationen schnell reagieren zu können. Einrichtungen wie das Beratungsnetz und zahlreiche lokale Angebote in Bayern bieten eine Anlaufstelle für Hilfesuchende. Die Unterstützung ist da, sie muss nur wahrgenommen werden.
Insgesamt gilt es, das Thema seelische Gesundheit und Krisenoffenheit in der Gesellschaft weiter voranzutreiben. Denn wie das nationale Suizidpräventionsprogramm NaSPro feststellt, ist Suizidalität ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nur durch Zusammenarbeit aller Akteure wirksam bekämpft werden kann.