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In Bayreuth wird ein neues Kapitel jüdischen Lebens aufgeschlagen. Nach 15 Jahren intensiver Sanierungsarbeiten wurde am 25. Februar 2026 das neue jüdische Kultur- und Gemeindezentrum in der Münzgasse feierlich eröffnet. Bei der Eröffnung waren zahlreiche Gäste aus Politik, Religionsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft anwesend, darunter auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Beide betonten die Bedeutung dieses Zentrums als Ort der Sichtbarkeit, des Glaubens und der Gemeinschaft in der Region.

Josef Schuster hob in seiner Rede die lange Tradition jüdischen Lebens in Bayreuth hervor, die auf eine 800-jährige Geschichte zurückblickt. Die ersten Belege jüdischen Lebens in der Stadt stammen bereits aus dem 13. Jahrhundert. Besonders herausragend ist die 1760 eingeweihte Synagoge, die die älteste in Deutschland ist, die bis heute als solche genutzt wird. Allerdings musste die jüdische Gemeinde während der Zeit des Nationalsozialismus enorme Verfolgung und auch Verluste hinnehmen, da viele Kunstgegenstände aus der Synagoge geraubt wurden. Glücklicherweise sind einige dieser Stücke in den letzten Jahren zurückgekehrt. Das neue Zentrum bietet nun nicht nur einen Ort des Glaubens, sondern auch eines aktiven kulturellen Austausches und der Erinnerungsarbeit.

Ein Ort des Austauschs und der Bildung

Im neu gestalteten Ensemble, das die Synagoge, eine Mikwe sowie ein Gemeindezentrum umfasst, finden sich zudem Räume für die Israelitische Kultusgemeinde und Ausstellungsflächen, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Besucher haben die Möglichkeit, Teile der Genisa zu sehen, eines rituellen Speichers für abgenutzte jüdische liturgische Schriften, die 2009 bei Renovierungsarbeiten in der Synagoge entdeckt wurden. Die ältesten Schriftstücke stammen aus dem 18. Jahrhundert und erzählen Geschichten jüdischer Religion und Kultur.

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Die neu gebaute Mikwe im Garten der Synagoge wird seit 2013 von etwa 320 Gemeindemitgliedern genutzt und ist ein weiterer wichtiger Baustein im religiösen und kulturellen Leben der Gemeinde. Ministerpräsident Söder betonte, dass dieses Zentrum ein starkes Signal für die jüdische Gemeinde in ganz Bayern sei. Er wiederholte sein Schutzversprechen gegen Antisemitismus und erklärte: „Jüdisches Leben soll in Bayern ohne Angst blühen.“ Der Freistaat hat den Neubau mit 8,4 Millionen Euro unterstützt, was die staatliche Verpflichtung unterstreicht, jüdisches Leben aktiv zu fördern.

Kulturelle Perspektiven für die Zukunft

Das neue Gemeindezentrum in Bayreuth ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Raum für kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen zwischen jüdischer und nicht-jüdischer Gesellschaft. Die Initiativen im Zentrum sollen dazu beitragen, dass jüdisches Leben sichtbarer wird und die Integration in die lokale Gemeinschaft gefördert wird. Solche Schritte sind auch im Kontext der jüngsten Internetplattform zur jüdischen Geschichte in Bayern von Bedeutung, die 2021 vom Haus der Bayerischen Geschichte gestartet wurde. Ziel ist es, das Verständnis und die Sichtbarkeit jüdischer Kultur und Geschichte in Bayern weiter zu vertiefen. Diese Plattform bündelt bestehende Projekte und Dokumente und fördert den Austausch über jüdisches Leben in der Region.

Mit der Eröffnung des neuen jüdischen Kultur- und Gemeindezentrums ist Bayreuth ein bedeutender Ort für jüdisches Leben in Bayern geworden. Diese Initiative stellt nicht nur einen Anlass zum Feiern dar, sondern auch einen wichtigen Schritt in Richtung einer offenen und respektvollen Gesellschaft.

Für weitere Informationen über jüdisches Leben in Bayern besuchen Sie die Seiten von BR, Bayreuther Tagblatt und Haus der Bayerischen Geschichte.