Am Hohen Peißenberg, dem höchsten Punkt des oberbayerischen Voralpenlandes, wird nicht nur die Wettervorhersage vorgenommen, sondern auch Geschichte geschrieben. Stefan Schwarzer, gelernter Wetterbeobachter und seit 30 Jahren beim Deutschen Wetterdienst (DWD) tätig, hat hier einen Arbeitsplatz gefunden, der sowohl aufregend als auch verantwortungsvoll ist. Er betreut nicht nur die technischen Aspekte der Wetterbeobachtung als Programmierer, sondern engagiert sich auch in der Aufklärung über Wetterphänomene, besonders nach schweren Unwettern.

Der Hohe Peißenberg, mit seinen 988 Metern Höhe, bietet nicht nur einen spektakulären Blick auf die Alpenkette und die umliegenden Seen wie den Ammersee und den Starnberger See, sondern ist seit 1781 auch Standort des ältesten Bergobservatoriums der Welt. Hier sammeln etwa 60 Mitarbeiter meteorologische Daten, die für die Grundlagenforschung und die globale Klimaüberwachung von entscheidender Bedeutung sind. Seit 1990 ist das Observatorium Teil des globalen Klimaüberwachungsprogramms (GAW), das zur Überwachung von Spurengasen und Aerosolen in der Atmosphäre beiträgt. Der Ozon-Messbetrieb läuft hier bereits seit 1967.

Ein Experte mit Leidenschaft

Schwarzer, der seine Karriere als Wetterbeobachter auf der Zugspitze begann, hat ein feines Gespür für Wetterereignisse. Im Jahr 2023, nach der verheerenden Hagel-Katastrophe, die das Klosterdorf Benediktbeuern heimsuchte, wurde sein Engagement noch intensiver. „Ich war einer der ersten Helfer in Bad Baiersoien“, erzählt er und betont die Wichtigkeit präziser Wettervorhersagen. Diese Leidenschaft spiegelt sich auch in seiner Facebook-Seite „Private Wetterstation Peißenberg“ wider, auf der er lokale Wettervorhersagen teilt und über Wetterereignisse aufklärt. Dabei kritisiert er die Sensationslust der Medien und bietet eine sachliche Perspektive an, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Das Observatorium auf dem Hohen Peißenberg ist mehr als nur ein Arbeitsplatz. Es ist ein Ort der Forschung und des Wissensaustauschs. Hier entwickelt Schwarzer auch praktische Anwendungen, wie eine Hochwasser-App für Peißenberg, um die Bevölkerung besser zu informieren und auf mögliche Gefahrensituationen vorzubereiten. „Die Entwicklung von neuen Technologien für Wetterwarnungen ist entscheidend“, so Schwarzer, der stets bemüht ist, die Vorhersagemethoden zu verbessern.

Besuch und Zugang

Besucher haben die Möglichkeit, das Observatorium bei Tagen der offenen Tür zu besichtigen. Größere Gruppen sollten sich jedoch im Voraus anmelden, um den Zugang zu ermöglichen. Der DWD informiert auf seiner Website über das Observatorium sowie die laufenden Forschungsprojekte, die hier stattfinden. Unter der Leitung von Dr. Christian Plass-Dülmer wird die Forschung im Bereich Radar-Meteorologie, die seit 1986 betrieben wird, stetig vorangetrieben, um Wetterereignisse besser vorhersagen zu können.

Schwarzer und sein Team machen mit Leidenschaft und technischer Expertise einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der Wetterbedingungen im Alpenvorland und darüber hinaus. Die Arbeit am Hohen Peißenberg ist nicht nur von wissenschaftlicher Relevanz, sondern auch eine Herzensangelegenheit für alle, die hier tätig sind, denn das Wetter betrifft uns alle – und vor allem unsere Sicherheit.

Für weitere Informationen über die wertvolle Arbeit am Hohen Peißenberg und die verschiedenen Projekte des DWD, besuchen Sie die Seiten der Süddeutschen Zeitung und des Deutschen Wetterdienstes.