Der Verein „Frauen helfen Frauen“ Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach hat anlässlich des Weltfrauentags eine Umfrage unter Bürgermeister- und Landratskandidaten durchgeführt. Die Auswertung der sogenannten „Wahlprüfsteine“ zur Gleichstellung und zum Gewaltschutz ergab ein „sehr positives und wertschätzendes“ Feedback. Der Hintergrund dieser Umfrage ist nicht nur die bevorstehende Kommunalwahl am 8. März 2026, die zufälligerweise auf den internationalen Frauentag fällt, sondern auch das dringende Bedürfnis, das Thema Gewaltschutz stärker in den Fokus der politischen Agenda zu rücken. Der Verein betreibt ein Frauenhaus mit sieben Wohnungen, in dem jährlich 20 bis 25 Frauen und Kinder vor Gewalt geschützt werden. Leider müssen 60 bis 70 Prozent der Hilfesuchenden aufgrund von Platzmangel abgewiesen werden, was die Dringlichkeit der Thematik verdeutlicht.

Die Umfrage stellte den Kandidaten zentrale Fragen zu ihrem Wissen über die Arbeit des Vereins, ihrer Einschätzung des Ausmaßes geschlechtsspezifischer Gewalt und den Maßnahmen, die sie im Falle ihrer Wahl ergreifen würden. Die Antworten der Kandidaten zeigen ein breites Spektrum an Ansätzen zur Verbesserung der Gleichstellung und des Gewaltschutzes. Michael Ernst (SPD) sieht Gleichstellung als „Demokratiearbeit“, während Dr. Ingo Mehner (CSU) den Anstieg weiblicher Beschäftigter in der Stadt hervorhebt. Von den Grünen plant Dr. Bärbel Weixner, die Prävention zu stärken und Hilfsangebote abzusichern. Max Wiens (unabhängig) fordert mehr Öffentlichkeitsarbeit gegen Gewalt, und Wolfgang Möckel (Freie Wähler) möchte den Bau von Schutzwohnungen vorantreiben. Zudem betont Michael Müller (CSU) die begrenzten kommunalen Handlungsspielräume und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit Land und Landkreis.

Politische Initiativen und Herausforderungen

Die Diskussion über Gewaltschutz und Gleichstellung ist nicht auf Bad Tölz-Wolfratshausen beschränkt. Auch in anderen Städten, wie Köln, wird aktiv an der Gleichstellung gearbeitet. Der Aktionskreis für Frauen (AKF) Köln hat zur Kommunalwahl 2025 frauenpolitische Wahlprüfsteine erstellt, um konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Gleichstellung der Geschlechter zu erörtern. Dabei wird deutlich, dass Frauen in vielen Bereichen von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nach wie vor unterrepräsentiert sind. Der Rat der Stadt Köln hat beispielsweise einen Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern eingerichtet, der aktiv an diesen Themen arbeitet.

Die bevorstehenden Wahlen könnten entscheidend sein, um die in der Istanbul-Konvention verankerten Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in konkrete Politik umzusetzen. Die CDU plant, bis 2030 mindestens 5.000 neue Kitaplätze in Köln zu schaffen, während die SPD ein Sofortprogramm für mehr Kitaplätze und flexible Betreuungszeiten fordert. Diese Maßnahmen sind essenziell, um die Work-Life-Balance für Frauen zu verbessern und sie in der Gesellschaft zu stärken.

Der Weg zur Gleichstellung

Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist ein zentrales Ziel, das im Art. 3 (2) des Grundgesetzes verankert ist. Während der Begriff der Gleichberechtigung die rechtliche Ebene umfasst, zielt die Gleichstellung auf die tatsächliche Umsetzung dieser Rechte in der Lebensrealität. Studien zeigen, dass Frauen im Durchschnitt 18% weniger verdienen als Männer und die Hauptlast der Kinderbetreuung tragen. Diese Ungleichheit wird auch als „Gender Time Gap“ bezeichnet, die durch verschiedene gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren verstärkt wird. In den letzten Jahren hat sich die Situation zwar schrittweise verbessert, doch die Corona-Pandemie hat Rückschritte in der Gleichstellung verursacht, indem Mütter ihre Arbeitszeiten häufiger reduzierten als Väter.

Die Auswertung der Wahlprüfsteine und die Diskussionen rund um die Kommunalwahlen zeigen, dass die Herausforderungen zur Gleichstellung und zum Gewaltschutz weiterhin bestehen. Es ist entscheidend, dass nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes Verantwortung übernimmt. Die Antworten der Kandidaten werden bald auf der Homepage von „Frauen helfen Frauen“ veröffentlicht, wodurch interessierte Bürger einen Einblick in die politischen Positionen erhalten können. Nur durch einen gemeinsamen Einsatz kann eine gerechtere und sicherere Zukunft für alle Frauen geschaffen werden.