In Wolfratshausen ist die Debatte um Parkplätze bereits seit den 1970er Jahren ein heißes Eisen. Kürzlich hat der Stadtrat mit 16 zu 9 Stimmen den Bau eines Parkdecks am Hatzplatz mit 112 Stellplätzen beschlossen. Dieser Schritt folgt einem Vorschlag des SPD-Mitglieds Hans Gärtner und wurde von dem SPD-Stadtrat Manfred Menke unterstützt. Zwei andere Varianten, die jeweils 144 Stellplätze vorsahen, fanden jedoch keine Mehrheit. Damit ist der Hatzplatz offiziell als Standort für das Parkdeck festgelegt worden. Bürgermeister Klaus Heilinglechner bezeichnete diesen Beschluss als „historische Chance“ zur Aufwertung der Innenstadt, da durch verschiedene Umgestaltungen bestehende Stellplätze wegfallen werden. [Quelle]
Der Gärtner-Plan sieht vor, das Parkdeck 1,50 Meter unter dem Boden zu bauen, was allerdings zusätzliche Kosten für Anker nach sich ziehen könnte. Ingenieur Veit Grün äußerte Bedenken hinsichtlich möglicher Sicherheitsrisiken bei der Zufahrtsrampe. Auch wenn die beschlossene Variante die teuerste Lösung pro Stellplatz werden könnte, gibt es Stimmen, die sich für eine größere Parkhaus-Option aussprechen. Ulrike Krischke von der Bürgervereinigung sieht in einem größeren Parkhaus eine bessere Lösung, während Patrick Lechner von der FDP für ein schlichtes Parkdeck plädiert und gleichzeitig weniger Parkplätze in Zukunft anstrebt. Manfred Fleischer von der Wolfratshauser Liste favorisiert die kleinere Variante, um das Stadtbild nicht zu beeinträchtigen. Bürgermeister Heilinglechner, der ursprünglich für größere Varianten war, wurde jedoch überstimmt. Die städtische Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (Stäwo) soll den Bau nun umsetzen, wobei eine Kostenberechnung erstellt und dem Stadtrat präsentiert wird.
Widersprüche und Forderungen
Der Beschluss stößt jedoch auf Widerstand. Der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) kritisiert die Entscheidung und fordert stattdessen eine Tiefgarage mit mindestens 150 Stellplätzen. Laut Ernst Gröbmair, dem Vorsitzenden des Vereins, sei der Gärtner-Plan unzureichend, da er lediglich 42 zusätzliche Parkplätze bietet und nicht die 80 Stellplätze ersetzt, die durch die geplante Aufwertung der Altstadt wegfallen werden. Gröbmair betont, dass für die Umsetzung der Aufwertung am westlichen Loisachufer mindestens 55 Parkplätze kompensiert werden müssten. Zudem fehlen bereits 36 Stellplätze am Lehrerparkplatz am Hammerschmiedweg. Im Vergleich zu Bad Tölz, wo 400 Parkplätze in der Nähe der Marktstraße zur Verfügung stehen, sieht Gröbmair Wolfratshausen stark im Nachteil. Er fordert eine ausreichende Anzahl an Stellplätzen, die sowohl den Bedürfnissen der Geschäftsinhaber gerecht wird als auch die Innenstadtaufwertung ermöglicht. Außerdem betont er, dass eine Tiefgarage auch die Möglichkeit von Fördermitteln eröffnen würde. [Quelle]
Komplexe Herausforderungen der Parkplatzorganisation
Die Diskussion um Parkplätze in Wolfratshausen ist Teil eines größeren Themas: die Organisation des „ruhenden Verkehrs“. Kommunen stehen vor komplexen Herausforderungen, die nicht nur den Klimaschutz und die Klimaanpassung betreffen, sondern auch den zunehmenden Lieferverkehr und den wachsenden Flächenbedarf durch steigende Kfz-Zulassungszahlen. Es gibt neue Gestaltungsspielräume für Kommunen, die durch Änderungen im Straßenverkehrsgesetz (StVG) und in der Straßenverkehrsordnung (StVO) entstanden sind. Das Difu-Projekt „Pano“ widmet sich diesen Veränderungen und unterstützt elf Städte bei der Neugestaltung oder Weiterentwicklung des Parkraummanagements. Kernthemen sind die Steuerung des Stellplatzangebots auf privaten Flächen, die Stellplatznachfrage im öffentlichen Raum und die Auswirkungen veränderter gesetzlicher Regelungen auf kommunale Handlungsspielräume. [Quelle]
Insgesamt zeigt sich, dass die Parkraumsituation in Wolfratshausen nicht nur eine lokale Angelegenheit ist, sondern Teil eines umfassenderen gesellschaftlichen und ökologischen Kontextes. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Pläne umsetzen lassen und ob die verschiedenen Interessen in Einklang gebracht werden können.