Im Herzen von Bad Tölz, genauer gesagt im „Weltraum“ am Vichyplatz, hat Norbert Pollmann eine spannende Initiative ins Leben gerufen: einen Tisch für „Blindentischtennis“, auch bekannt als Showdown oder Tischball. Dieser Sport bietet Blinden und Sehenden die Chance, gemeinsam zu spielen – eine wahrhaft inklusive Erfahrung. Dabei tragen beide Gruppen eine Dunkelbrille oder Augenbinde, was das Spiel zu einem besonderen Erlebnis macht. Laut Süddeutscher Zeitung engagiert sich Pollmann seit vielen Jahren für die Belange von Menschen mit Sehbehinderung.
Pollmann, der seit 22 Jahren aufgrund eines Arbeitsunfalls erblindet ist, bringt viel Erfahrung und Leidenschaft in die Sportart ein. Nachdem er nicht mehr arbeiten konnte und auch eine bewegte persönliche Geschichte durchlebte, fokussierte er sich auf die Selbsthilfegruppe LHON und leitete 15 Jahre lang einen Blindenstammtisch in Bad Tölz. Nebenbei hat er sich das Schreinern beigebracht und fertigt Spielzeuge für Blinde an, was nicht nur seinem Handwerk, sondern auch seiner sozialen Verantwortung Ausdruck verleiht.
Tischball – Die Regeln und das Spiel
Tischball wird an einer speziellen Platte gespielt, die etwa 1,2 m x 3,6 m misst und von einer 14 cm hohen Bande umgeben ist. An dieser Platte ist auch eine Mittelbande angebracht, die ebenfalls 14 cm hoch ist und das Spielfeld in zwei Hälften teilt. Bei dieser Sportart ist es entscheidend, dass der Ball unter die Mittelbande geschlagen wird und nicht über ein Netz. Für jeden Spieler ergibt sich beim Verteidigen seines Tores die Chance, Punkte zu sammeln – ein Tor bringt zwei Zähler. Hier scheint es ein wenig wie beim Schach zugehen: Strategie sowie ein geschultes Ohr sind gefragt, was besonders den Blinden zugutekommt, da sie durch ihren Hörsinn Vorteile im Spiel haben können, erläutert Markus Ertl, Sprecher des „Arbeitskreises für Menschen mit Behinderung“.
Bisher besteht die Gruppe aus vier Mitspielern, die sich jeden Montag von 16:30 bis 19:00 Uhr treffen, um kostenlos zu spielen. Mit einem speziellen 30 cm langen Holzschläger und einem rasselnden Kunststoffball wird das Spiel lebendig. Ein Tor erzielt man, wenn der Ball die eigene Fläche erfolgreich überwindet – ein echter Test für die Reaktionsfähigkeit und Schnelligkeit.
Ein Schritt in Richtung Inklusion
Aber Pollmanns Engagement geht über den Sport hinaus. Er nutzt seine Plattform, um auf die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung aufmerksam zu machen. In Deutschland sind schätzungsweise 641 Menschen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen betroffen. Hier ist der „Index für Inklusion im und durch Sport“ von großer Bedeutung. Dieser Index, entwickelt vom Deutschen Behindertensportverband, bietet eine wertvolle Orientierungshilfe, um eine inklusive Sportlandschaft zu fördern.
Die Ziele des Index sind klar umrissen: Es geht darum, das Bewusstsein für Inklusion im Sport zu schärfen, Selbstbestimmung und Partizipation zu ermöglichen und letztlich die Gleichberechtigung im organisierten Sport zu unterstützen. Zudem wird das Thema durch verschiedenste Materialien und Erfahrungswerte weiterentwickelt, die von Sportverbänden und -vereinen genutzt werden können.
Es ist offensichtlich, dass Pollmann nicht nur Freude an der neuen Sportart hat, sondern auch eine Vorreiterrolle im Bereich der Inklusion einnimmt. Seine Begeisterung ist ansteckend und zeigt, dass Sport eine Brücke schlagen kann, die auch Menschen miteinander verbindet, die sonst oft in der Gesellschaft übersehen werden.
Die nächste Gelegenheit für interessierte Teilnehmer, bei dem inklusiven Tischball-Sport mitzumachen, ist am kommenden Montag!