In Bad Tölz, genauer gesagt im „Weltraum“ am Vichyplatz, hat Norbert Pollmann eine ganz besondere Initiative ins Leben gerufen: „Blindentischtennis“, auch bekannt als Showdown oder Tischball. Diese Sportart ermöglicht es Blinden und Sehenden, gemeinsam zu spielen, indem beide Gruppen eine Dunkelbrille oder Augenbinde tragen. Pollmann selbst ist seit einem Arbeitsunfall vor 22 Jahren erblindet und hat sich seitdem aktiv für die Belange von Menschen mit Sehbehinderung eingesetzt. So leitete er 15 Jahre lang den Blindenstammtisch in Bad Tölz und engagiert sich in der Selbsthilfegruppe LHON.

Die Tischball-Spiele finden jeden Montag von 16:30 bis 19:00 Uhr statt und sind für alle Interessierten kostenlos. Pollmann hat seit sechs Jahren eine Leidenschaft für diese Sportart entwickelt und bringt seinen eigenen Tisch, der von der Stadt zur Verfügung gestellt wird, mit. Der Tisch hat eine 14 cm hohe Bande und ein Mittelbrett mit Durchlass, was ein spannendes Spiel ermöglicht. Gespielt wird mit 30 cm langen Holzschlägern und einem rasselnden Kunststoffball. Ein Tor gibt zwei Punkte, während der Gegner einen Punkt erhält, wenn der Ball das Mittelbrett trifft oder außerhalb der Platte gerät.

Die Regeln und der Spielstil

Die Anforderungen an die Spieler sind hoch, insbesondere in der Dunkelheit der Augenbinden. Ein Schläger mit den Maßen 20 x 7,5 cm wird verwendet, um den Ball zu stoppen und zurückzuspielen. Der Ball hat einen Durchmesser von 6 cm und darf die Platte nicht verlassen. Der Aufschlag muss so erfolgen, dass der Ball zuerst die Seitenbande in der eigenen Plattenhälfte berührt. Fehler beim Aufschlag können dazu führen, dass der nicht fehlerhafte Spieler einen Punkt erhält. Diese Spielweise fördert die Reaktionsschnelligkeit und den geschulten Hörsinn, was besonders für die blinden Spieler von Vorteil ist, wie Markus Ertl, Sprecher des „Arbeitskreises für Menschen mit Behinderung“, betont.

In Bad Tölz-Wolfratshausen sind zum 31. Dezember 2025 schätzungsweise 641 Menschen von Blindheit oder Sehbehinderung betroffen. Pollmanns Initiative bietet diesen Menschen nicht nur eine Möglichkeit zur sportlichen Betätigung, sondern auch zur sozialen Interaktion und Teilhabe an der Gemeinschaft.

Inklusion im Sport

Das Engagement für Blindentischtennis ist Teil eines größeren Trends hin zu mehr Inklusion im Sport. Der „Index für Inklusion im und durch Sport“, entwickelt vom Deutschen Behindertensportverband (DBS), ist ein Wegweiser für Sportverbände und -vereine, die inklusiv gestalten möchten. Ziel ist es, eine inklusive Sportlandschaft zu fördern und das Bewusstsein für Inklusion im Sport zu schärfen. Der Index bietet zahlreiche Materialien und Informationen, um die eigene Situation zu überprüfen und bei Bedarf zu verändern.

Die Bedeutung von Sport für die Integration von Menschen mit Behinderungen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Aktivitäten wie Blindentischtennis tragen nicht nur zur physischen Fitness bei, sondern stärken auch das Gemeinschaftsgefühl und die soziale Teilhabe. Der Weg in eine inklusive Sportlandschaft ist noch lang, aber Initiativen wie die von Norbert Pollmann sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Wer mehr über die Sportart erfahren möchte, kann sich auch den Kurzfilm über Showdown auf YouTube ansehen, der von der Aktion Mensch veröffentlicht wurde. Für weitere Informationen zum Thema Inklusion im Sport lohnt sich ein Blick auf die Website des DBS.