Im beschaulichen Dorf Bairawies, wo gerade einmal 280 Bewohner leben, hat sich in den letzten Jahren viel bewegt. Besonders im Mittelpunkt der Diskussion stand eine umstrittene Planung für eine Großunterkunft für Geflüchtete. Diese Pläne wurden nun endgültig zu den Akten gelegt. Das Bayerische Innenministerium gab bekannt, dass die wirtschaftliche Machbarkeit des Projekts nicht gegeben sei. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Bürgerinitiative „Bairawies Aktiv“ hatte sich im Laufe des letzten Jahres vehement gegen die Errichtung der Unterkunft ausgesprochen.
Die Wurzeln der Uneinigkeit gehen bis März 2023 zurück, als die Planungen für eine Containersiedlung für 120 bis 130 Geflüchtete Schlagzeilen machten. Wolfgang Köster, Sprecher der Initiative, merkte an, dass es nicht an der Grundhaltung gegen die Unterbringung hakte, sondern vielmehr an der angespannten Infrastruktur des kleinen Dorfes: Über Supermärkte und ärztliche Versorgungsangebote verfügt Bairawies, wie viele andere Dörfer in der Umgebung, nicht. Die Sorgen der Einwohner, die auch durch eine Demonstration mit 170 Teilnehmern zum Ausdruck gebracht wurden, führten schließlich zu einem Umdenken bei den Verantwortlichen.
Bürgerinitiative und Widerspruch
Die Initiative, angeführt von engagierten Dorfbewohnern, forderte ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik. Die Bayerische Rundschau berichtet, dass zahlreiche Anwohner, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit, gegen die geplante Unterkunft waren. Bürgermeister Josef Hauser zeige sich nun erfreut über die Entscheidung des Freistaates, die Pläne nicht weiterzuverfolgen. Auch Landrat Josef Niedermaier hatte trotz seines Bedauerns über die Notwendigkeit, Geflüchteten eine Unterkunft zu bieten, Verständnis für die Bedenken der Bevölkerung geäußert.
Ein weiterer Aspekt, der den Widerstand gegen die Containersiedlung verstärkte, waren ökologische Bedenken, da es Vorschriften für die maximale Standdauer von Containern gibt. Dies führte zu der Einsicht, dass das Projekt nicht nur unrealistisch, sondern auch nicht nachhaltig wäre.
Aktuelle Situation und Ausblick
Trotz der gescheiterten Pläne ist der Bedarf an neuen Unterkünften in der Region weiterhin hoch. Zum 1. November 2023 lebten 3277 Geflüchtete im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, 2248 davon wurden durch das Landratsamt versorgt. Es stehen jedoch nur 2207 Plätze in insgesamt 139 Unterkünften zur Verfügung. Dies zeigt, dass die Situation anspruchsvoll bleibt, und dass Lösungsmöglichkeiten gefunden werden müssen, um der steigenden Zahl an Geflüchteten gerecht zu werden.
Der Landkreis ist gefordert, neue Strukturen zu schaffen, um den monatlichen Zuzug von 15 bis 30 Flüchtlingen zu bewältigen. Zudem stehen vorübergehend angemietete Wohnungen und Hotelzimmer vor der Räumung, was die Notwendigkeit neuer Unterkünfte noch dringlicher macht.
Ein Lichtblick könnte ein Neujahrstreffen der Initiative „Bairawies Aktiv“ sein, das geplant ist, um die Gemeinschaft im Dorf zu stärken und die beständigen Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Die Diskussion um die Unterbringung von Geflüchteten ist nur ein Teil der großen Fragestellung, wie Integration in kleinen Gemeinden gelingen kann, wenn die nötigen Rahmenbedingungen fehlen. Die Herausforderungen sind vielschichtig, und es bleibt zu hoffen, dass der Dialog zwischen den Bürgern und den Verantwortlichen weitergeführt wird.
Abschließend lässt sich sagen, dass trotz der Absage an die geplante Flüchtlingsunterkunft neue Lösungsansätze nötig sind, um den Menschen, die Hilfe brauchen, ein würdiges Zuhause zu bieten. Die Bundesinitiative „Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“, die 2016 ins Leben gerufen wurde, könnte hierbei möglicherweise als ein wichtiger Ansatz dienen, um Vulnerabilität und Integration zu fördern.