Im Sitzungssaal des Rathauses Bad Kissingen fand kürzlich der Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels statt. Zwölf Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Landkreis, darunter zehn Mädchen und zwei Jungen, zeigten ihr Können im Vorlesen. Organisiert wurde der Wettbewerb von der Stadtbücherei Bad Kissingen. In diesem Jahr wurde Rosalie Nürnberger von der Montessorischule Rhön-Saale in Münnerstadt zur besten Vorleserin des Landkreises gewählt. Sie wird im März oder April im Wettkampf um die Bezirksmeisterschaft antreten.

Der Vorlesewettbewerb ist ein traditionsreicher Wettbewerb für Kinder der sechsten Klasse, der seit 1959 jährlich stattfindet und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Rund 600.000 Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen beteiligen sich jährlich an diesem bemerkenswerten Event, das von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels organisiert wird. Die Teilnehmer hatten sich zuvor als Schulsiegerinnen und -sieger qualifiziert. Die Jury, bestehend aus Buchhändlern und Literaturkritikern, hatte Schwierigkeiten bei der Entscheidung, entschied sich jedoch für Rosalie Nürnberger aufgrund ihres lebendigen Vortrags, der sowohl beim Vorlesen ihres selbst gewählten Textes als auch beim Vorlesen eines Fremdtextes überzeugte. Zu den Anwesenden gehörten auch Jury-Mitglieder wie Martin Eisenmann und die Stadtbücherei-Leiterin Stefanie Mahlmeister.

Ein Wettbewerb mit Tradition

Der Vorlesewettbewerb fördert nicht nur das Lesen, sondern auch die Entdeckung neuer Bücher. Schülerinnen haben die Möglichkeit, ihr Lieblingsbuch vorzustellen und eine Passage daraus vorzulesen. Dieser Wettbewerb ist einer der größten bundesweiten Schülerwettbewerbe in Deutschland und wird von der Kultusministerkonferenz empfohlen. Er umfasst mehrere regionale und länderweite Etappen, die im Oktober an den Schulen beginnen und im Juni mit dem Bundesfinale enden. Anmeldeschluss für die Schulsiegerinnen für die Runde 2025/26 ist der 15. Dezember 2025, was den Schulen ausreichend Vorlaufzeit gibt, um sich auf diesen wichtigen Wettbewerb vorzubereiten.

Die Bedeutung des Vorlesewettbewerbs geht jedoch über die Freude am Lesen hinaus. Laut nationalen Bildungsstudien haben mehr als 25 Prozent der Grundschulabsolvent*innen Schwierigkeiten mit dem sinnentnehmenden Lesen. Daher ist die Förderung der Lesekompetenz von zentraler Bedeutung für den Bildungserfolg und die gesellschaftliche Integration. Der Wettbewerb wird nicht nur von Schulen und Bibliotheken unterstützt, sondern auch von vier Sparda-Banken auf regionaler Ebene. Materialien werden an etwa 13.500 Schulen verteilt, um die Teilnahme zu fördern.

Leseförderung als Schlüsselqualifikation

Die Lesekompetenz gilt als Schlüsselqualifikation für den Bildungserfolg. Daten zeigen, dass die Lesekompetenz in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich ausgeprägt ist. In Bayern liegt die Lesekompetenz bei 79 Prozent, während die Teilnahmequote 88 Prozent beträgt. Kritische Stimmen bemängeln die Unterrepräsentation von Kindern aus bildungsfernen Familien und weisen auf die Herausforderungen sprachlicher Diversität und Motivation hin. Studien belegen, dass die Teilnahme am Wettbewerb die Lesemotivation langfristig steigert und eine enge Kooperation zwischen Lehrkräften und Eltern das Leseverhalten verbessert.

Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels bleibt somit ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Bildungslandschaft, der nicht nur die Lesefreude weckt, sondern auch die Lesekompetenz stärkt. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Leseförderung weiterentwickeln kann, um allen Kindern die Chance auf einen erfolgreichen Zugang zur Literatur zu ermöglichen. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Stiftung Buchkultur und Leseförderung hier und zur aktuellen Veranstaltung auf der Seite der Stadt Bad Kissingen hier.