In Bad Kissingen hat die Stadtverwaltung den „Bauturbo“ ins Leben gerufen, ein innovatives Konzept zur Beschleunigung des Wohnungsbaus. Dieses neue Instrument, das im Februar vom Stadtrat beschlossen wurde, zielt darauf ab, die Genehmigungs- und Planungsverfahren für Neubauten und Umbauten erheblich zu vereinfachen. Hintergrund ist ein Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus, das im Oktober 2025 verabschiedet wurde und den Kommunen mehr Flexibilität bei der Nutzung von Grundstücken gibt. Unter bestimmten Voraussetzungen können sogar zuvor unbebaubare Flächen als Bauplätze genutzt werden. Der Bauturbo betrifft nicht nur Neubauten, sondern auch Erweiterungen, Umbauten und Umnutzungen zu Wohnzwecken. Die Stadtverwaltung hat bereits Leitlinien für die Anwendung dieses Instruments entwickelt und einen Übersichtsplan erstellt, der potenziell bebaubare Flächen in der Kernstadt und in den Stadtteilen zeigt.

Insgesamt könnten in Bad Kissingen und seinen Stadtteilen rund 150.000 Quadratmeter für den Wohnungsbau erschlossen werden, davon 40.000 Quadratmeter auf städtischen Grundstücken. Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, auf der Website www.investinbk.de nach geeigneten Grundstücken zu suchen oder eigene Vorschläge einzureichen. Ein Highlight des Bauturbos ist die Möglichkeit zur Nachverdichtung im unbeplanten Innenbereich, etwa durch Aufstockungen. Zudem wird der Außenbereich in Ortsrandlagen bis Ende 2030 geöffnet, solange der Abstand zur bestehenden Bebauung 25 Meter nicht überschreitet. Dabei bleibt der Schutz von Natur und Nachbarn sowie die Einhaltung von Abstandsflächen und Brandschutzvorschriften gewährleistet.

Erste Erfolge des Bauturbos

Ein konkretes Beispiel für den Erfolg des Bauturbos ist die Genehmigung für die Familie Roßmann in Hausen. Ihr Grundstück Am Rodweg, das zuvor im Außenbereich lag und als unbebaubar galt, wurde nun genehmigt. Christian Roßmann, Geschäftsführer einer Beratungsfirma, äußerte sich erfreut über die schnelle Genehmigung und plant, im Frühjahr mit dem Bau eines zweigeschossigen Hauses zu beginnen, um bis Weihnachten einzuziehen. Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel sieht die Familie Roßmann als Symbol für den Erfolg des Bauturbos und betont, dass das Ziel darin besteht, Bad Kissingen durch Nachverdichtung und Schaffung neuer Wohnflächen maßvoll wachsen zu lassen.

Ein nationaler Trend: Der Bau-Turbo

Der Bauturbo in Bad Kissingen ist Teil eines größeren Trends in Deutschland, wo der „Bau-Turbo“ als Experimentierklausel eingeführt wurde. Ziel ist es, Städte und Kommunen beim Bauen zu unterstützen und die Anwendung dieses Instruments durch Stadträte, Baudezernentinnen und kommunale Verantwortungsträger zu fördern. Das Bundesbauministerium bietet umfassende Unterstützung an und stellt Informationen für verschiedene Zielgruppen wie Bauherren, Bürgermeister und Bauunternehmen bereit. Die Möglichkeiten des Bau-Turbos umfassen ebenfalls Nachverdichtung, Aufstockung, Erweiterung und Umnutzung.

Hintergrund: Wohnungsnot und Bauaktivitäten in Deutschland

Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wird durch die anhaltende Wohnungsnot in Deutschland unterstrichen, insbesondere in Großstädten. Die Ampel-Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, während im Jahr 2024 nur etwa 216.000 neue Wohnungen gebaut wurden, was einem Rückgang von 14% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Steigende Energiepreise, Inflation und Lieferengpässe haben die Situation zusätzlich verschärft. Trotz eines Anstiegs der Investitionen im Wohnungsbau auf rund 281 Milliarden Euro im Jahr 2024 ist die Anzahl neuer Wohngebäude auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren gesunken. Der Bau-Turbo soll dazu beitragen, Genehmigungsdauern zu verkürzen und der Wohnungsknappheit entgegenzuwirken, was sowohl für Bad Kissingen als auch für andere Kommunen von großer Bedeutung ist.

Für weitere Informationen über die Entwicklungen im Wohnungsbau in Deutschland und speziell zum Bauturbo, können Sie die Quellen hier und hier einsehen.