Am heutigen Tag wurde in Augsburg eine aufsehenerregende Studie vorgestellt, die die Missbrauchsgeschichte im Bistum Augsburg beleuchtet. Im Haus Petrus Canisius präsentierte Bischof Bertram Meier die Ergebnisse der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAKA), die im März 2021 ins Leben gerufen wurde. Der Anlass für diese umfassende Untersuchung war die MHG-Studie von 2018, die das Ausmaß des Missbrauchs in der katholischen Kirche aufdeckte. Der 206-seitige Bericht dokumentiert gravierende Versäumnisse der Kirche im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt.

Die UAKA, bestehend aus sieben Mitgliedern, darunter Richter, Mediziner und Vertreter von Betroffenen, hat über 1.500 Personalakten untersucht und 193 Taten an 156 Betroffenen dokumentiert. Besonders besorgniserregend ist die Feststellung, dass in mehr als einem Drittel der Fälle (35,48 %) kirchliche Verantwortliche nicht angemessen reagierten. Dabei zeigen die Daten auch, dass die Pflichtverletzungen in den Jahren vor 2002 besonders hoch waren: Unter den Bischöfen Stimpfle und Dammertz lag die Quote der unangemessenen Handlungen bei beeindruckenden 63,6 % bzw. 68,8 %.

Sinkende Pflichtverletzungen unter Bischof Meier

Seit dem Amtsantritt von Bischof Meier im Jahr 2020 hat sich die Situation jedoch geändert. Der Bericht zeigt, dass es unter seiner Führung keine Pflichtverletzungen mehr gegeben hat. Dies könnte darauf hindeuten, dass neue Leitlinien und ein stärkerer Fokus auf die Prävention von Missbrauch Früchte tragen. Seit 2002 sind zudem Schulungen für Geistliche verpflichtend, und Verdachtsfälle werden häufig an die Staatsanwaltschaft gemeldet.

Nahezu zwei Drittel der Betroffenen waren männlich, und 42,5 % waren Kinder unter 14 Jahren. Die Taten fanden häufig in Pfarrhäusern oder Privatwohnungen statt, was zeigt, wie sehr Täter das in sie gesetzte Vertrauen ausgenutzt haben. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Kontrolle in diesen Fällen oft gefehlt hat und Hinweise auf Missbrauch regelmäßig ignoriert wurden. Opfer berichten von einer tiefen seelischen Belastung, Angst und Isolation, die sich aus dem Missbrauch ergeben haben.

Empfohlene Maßnahmen zur Verbesserung

Die UAKA hat nicht nur die Missstände dokumentiert, sondern auch klare Empfehlungen ausgesprochen, die die Kirche nun umsetzen sollte. Dazu gehört beispielsweise ein Verbot für unbegleitete Minderjährige in Pfarrhäuser oder Privatwohnungen und die Notwendigkeit, mehr Personal und Ressourcen für präventive Maßnahmen bereitzustellen. Zudem wird eine Kultur der Achtsamkeit gefordert, die Betroffenen Fürsorge und Unterstützung bietet.

Bischof Meier äußerte sich betroffen über die Ergebnisse der Studie und sprach von einer tiefen Schuld, die die Kirche trage. Er betonte die Unabhängigkeit der Kommission und will nun die Ergebnisse prüfen, um daraus Konsequenzen zu ziehen. Künftig sollen jährlich alle neuen Fälle datenschutzkonform veröffentlicht werden, um mehr Transparenz zu schaffen. Die UAKA erkennt zwar Fortschritte an, warnt aber vor einer Selbstzufriedenheit in der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.

Die Verankerung einer transparenten und unabhängigen Aufarbeitung, wie bereits von der Evangelischen Kirche angestrebt, bleibt ein zentrales Thema für die katholische Kirche. Betroffene und Zeitzeugen haben in der Vergangenheit häufig die vertuschten Taten öffentlich gemacht, was dazu geführt hat, dass die Stimmen der Missbrauchsopfer endlich Gehör finden. Laut der Kommission ist es essenziell, dass alle betroffenen Kirchen in Deutschland eine klare Position zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt beziehen.

Weitere Informationen über die Studie und die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Bistum Augsburg sind auf den Webseiten der bayerischen Rundfunk und der Unabhängigen Aufarbeitungskommission zu finden. Auch die Arbeitsgruppe „Aufarbeitung Kirchen“ hat wertvolle Informationen bereitgestellt. Die Diskussion um die Aufarbeitung von Missbrauch innerhalb der Kirche wird also weiter an Fahrt aufnehmen müssen.