In Augsburg ist eine hitzige Debatte entbrannt, die durch das vergangene Modular-Festival neue Aufwind bekam. Im Mittelpunkt steht der Name Lilly Prem, eine linke Revolutionärin, die 1919 im pulsierenden Herzen der Stadt aktiv war. Auch wenn ihr Name über die Jahre in Vergessenheit geriet, erlebt er seit etwa 100 Jahren eine Wiederbelebung, wie Augsburger Allgemeine berichtet.

Mit dem Modular-Festival trat nicht nur die kreative Musikszene in den Vordergrund, sondern auch zwei Gruppen, die als linksextrem gelten und vom Verfassungsschutz beobachtet werden: das „Offene Antifaschistische Klimatreffen Augsburg“ (OAKA) und das „Linke Zentrum Lilly Prem“ (LZLP). Die Einstufung dieser Gruppen als linksextrem ist aufgrund ihrer politischen Botschaften und der Verwendung einer RAF-Fahne in der Diskussion.

Wer war Lilly Prem?

Geboren als Elisabeth Krause am 2. November 1897 in Augsburg, war Lilly Prem eine außergewöhnliche Persönlichkeit ihrer Zeit. Sie war nicht nur die einzige Frau im damaligen Deutschen Reich, die die Gesellenprüfung im Bürstenmacher-Handwerk erfolgreich ablegte, sondern auch eine engagierte Kämpferin für die Räterepublik. Lilly und ihr Ehemann Georg schlossen sich dem Spartakusbund an, angetrieben durch die leidenschaftlichen Reden von Ikonen wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, wie Linkes Zentrum Augsburg hinzufügt.

Im Jahr 1919 äußerte Lilly Prem öffentlich, was vielen am Herzen lag: Sie forderte die Ausrufung der Räterepublik in Bayern und mobilisierte die Frauen Augsburgs, sich der revolutionären Bewegung anzuschließen. In ihrer Rede am 9. April 1919 appellierte sie an den Klassenkampf und die Solidarität für die Räterepublik. Dabei spielte sie eine zentrale Rolle im Arbeiter- und Soldatenrat Augsburgs, wo sie als Hauptagitatorin wirkte.

Die Nachwirkung ihres Lebens

Lilly Prem, die während der Kämpfe gegen die faschistischen Freikorps unter General Epp auch als Krankenschwester im Einsatz war, musste nach dem Fall der Räterepublik fliehen. Sie suchte Zuflucht in der Schweiz und später in Italien, wo sie ihr Abitur nachholte und 1936 in Sinologie promovierte. Trotz ihres bemerkenswerten Lebens verlässt sie die Geschichte leider oft nur als Fußnote, wie Koka Augsburg beschreibt.

In Italien verstarb Lilly 1965, und ihre letzten Ruhestätte fand sie in Augsburg. Es bleibt zu hoffen, dass die Rückbesinnung auf ihre Person und ihr Wirken nicht nur Gedenken, sondern auch Handlung im Hier und Jetzt inspiriert. Der Name „Lilly Prem“ wird nun auch einem Linkszentrum in Augsburg gerecht und trägt somit dazu bei, dass das Erbe dieser außergewöhnlichen Frau nicht in der Versenkung verschwindet. Auch Bertolt Brecht soll sie verewigt haben, was zeigt, wie sehr ihr Leben mit der politischen Kultur jener Zeit verwoben war.

In einer Zeit, in der der Zuspruch für linke Ideale sowohl hohe Wellen schlägt als auch kontrovers diskutiert wird, ist Lilly Prem als Symbol für den Mut zur Veränderung hoch im Kurs.