In Aschaffenburg wurde kürzlich ein bedeutender Schritt zur Förderung der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund vollzogen. Landrat Dr. Alexander Legler überreichte Zertifikate an 19 ehrenamtliche Absolventen, die sich als Sprachvermittler engagieren. Diese neuen Sprachvermittler sprechen eine Vielzahl von Sprachen, darunter Arabisch, Dari/Farsi, Türkisch, Ukrainisch, Russisch und Somali. Ihr Ziel ist es, sprachliche Barrieren abzubauen und Menschen mit unzureichenden Deutschkenntnissen bei Gesprächen mit Behörden sowie in sozialen, gesundheitlichen und Bildungsangelegenheiten zu unterstützen. Die Initiative zielt darauf ab, kulturelle Missverständnisse zu verhindern und den Zugang zu wichtigen Dienstleistungen zu erleichtern.
Das Projekt, das bereits seit 2016 von der Fachstelle Bürgerschaftliches Engagement initiiert wurde, erfreut sich wachsender Beliebtheit. Aktuell sind über 200 ehrenamtliche Sprachvermittler im Landkreis Aschaffenburg aktiv, die mehr als 30 Sprachen beherrschen. Für die nächste Schulungsrunde werden insbesondere Sprachvermittler für Somali und Französisch gesucht. Interessierte sollten fließende Kenntnisse in Deutsch und mindestens einer weiteren Sprache mitbringen und eine Grundschulung absolvieren. Für weitere Informationen können sich Interessierte an die Fachstelle Integration unter 06021/394-6418 wenden oder das Anfrageformular zur Bereitstellung von Sprachvermittlern auf www.landkreis-aschaffenburg.de/Sprachvermittlung nutzen.
Herausforderungen der Sprachmittlung
Die Bedeutung der Sprachmittlung erstreckt sich über den Landkreis hinaus und wird auch auf nationaler und internationaler Ebene anerkannt. Die Hoffnungsträger Sprachbrücke vermittelt freiberufliche Sprachmittler, die in sensiblen Bereichen wie Gesundheit, Bildung und Soziales tätig sind. Viele dieser Sprachmittler haben selbst einen Migrationshintergrund und tragen aktiv zur Integration bei. Am 1. Oktober 2025 wurde die Sprachbrücke App gestartet, die die Vermittlung und Abwicklung von Einsätzen erleichtert und sowohl für Auftraggeber als auch für Sprachmittler eine benutzerfreundliche Plattform bietet.
Trotz des hohen Bedarfs an Sprachmittlung in Deutschland sind öffentliche Mittel in diesem Bereich stark gekürzt worden, was zu einem Rückgang der Aufträge für Kommunen und Behörden führt. Das Digitalisierungsprojekt wird jedoch durch den AMIF gefördert und erhält bis Mitte 2027 Unterstützung von der Europäischen Union, um die Qualität und Verfügbarkeit von Sprachmittlern zu sichern.
Qualifizierung für ehrenamtliche Dolmetscher
Die Herausforderungen, denen sich Menschen mit unzureichenden Deutschkenntnissen gegenübersehen, sind auch in anderen Bundesländern ein Thema. Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat knapp 200.000 Euro in den Ausbau und die Qualifikation von Sprachmittlern im Gesundheitswesen investiert. Sozial- und Gesundheitsminister Manne Lucha betonte die Schwierigkeiten, die Migrantinnen und Migranten bei Arztbesuchen oder im Krankenhaus aufgrund von Sprachbarrieren haben. Eine qualifizierte Sprachmittlung soll ihnen den gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen ermöglichen und Missverständnisse, die zu ernsten gesundheitlichen Folgen führen können, verhindern.
Insgesamt wurden zwölf Projekte zur Förderung ausgewählt, die sowohl Kommunen als auch freie Träger berücksichtigen. Diese Initiativen zeigen, wie wichtig die Ausbildung und Unterstützung von ehrenamtlichen Dolmetschern ist und wie sehr sie zur gesellschaftlichen Teilhabe beitragen können. Weitere Förderaufrufe sind bereits in Planung, um die Sprachmittlung in Deutschland weiter zu stärken.