In einem Fall, der über vier Jahrzehnte hinweg die Gemüter bewegte und die Ermittler vor große Herausforderungen stellte, hat die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg nun Anklage wegen Mordes gegen den ehemaligen Freund der 19-jährigen Maria Köhler erhoben. Dieser tragische Vorfall, der sich am 30. Juli 1984 in einem Wohnheim für angehende Pflegekräfte des Aschaffenburger Krankenhauses ereignete, fand erst zwei Tage nach dem Mord durch eine Vorgesetzte der Opfer seine schockierende Entdeckung.
Maria Köhler, eine Schwesternschülerin, wurde mit einem Netzschal erdrosselt. Laut der Staatsanwaltschaft soll Eifersucht und Rache das Motiv für diese heimtückische Tat gewesen sein. Der Tatverdächtige, heute 66 Jahre alt, war bereits seit Jahren als Hauptverdächtiger im Fokus der Ermittler. Nach der Tat floh er zunächst in die Türkei und lebte dort unter falscher Identität. Im Jahr 1998 kehrte er dann nach Deutschland zurück, ohne dass die Behörden ihn aufspüren konnten. Seine Staatsangehörigkeit hat er durch die Verweigerung des Militärdienstes verloren, was seine rechtliche Situation zusätzlich kompliziert.
Die Wende in einem Cold Case
Ende 2024 nahm die Aschaffenburger Cold Case-Einheit den Fall erneut auf. Durch die Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA), Interpol und Europol gelang es den Ermittlern, den Verdächtigen in der Türkei festzunehmen. Im September 2023 gestand der Mann, die Tat begangen zu haben, und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Ermittler konnten zudem DNA an der mutmaßlichen Tatwaffe, dem Netzschal, sichern, was ihn als sehr wahrscheinlichen Verursacher der Tat ausweist.
Für die Familie von Maria Köhler ist dieser Fortschritt ein Lichtblick. Sie äußerten Erleichterung über den Fahndungserfolg und hegen Hoffnungen auf Gerechtigkeit. Sollte das Landgericht die Anklage zulassen, gibt es jedoch nur die Möglichkeit einer Verurteilung wegen Mordes, da andere mögliche Vergehen längst verjährt sind. Die Aufklärung dieses Cold Cases hat nicht nur für die Angehörigen eine immense Bedeutung, sondern wirft auch Fragen zur Effektivität der Ermittlungsarbeit über so viele Jahre auf.
Ein Blick auf ungelöste Kriminalfälle
Der Fall Maria Köhler erinnert an andere berühmte Cold Cases in Deutschland, wie etwa die Mordserie auf dem Hinterkaifeck-Anwesen im Jahr 1922. Auch dort blieben die Morde an sechs Personen über Jahrzehnte ungeklärt. Solche Fälle sind nicht nur tragisch, sie zeigen auch die Herausforderungen auf, vor denen die Strafverfolgungsbehörden stehen, wenn es darum geht, Gerechtigkeit für die Opfer zu erlangen. Oft sind es neue Technologien oder die Hartnäckigkeit der Ermittler, die letztlich zu einer Aufklärung führen können.
In der heutigen Zeit, in der die Kriminalitätsbekämpfung durch moderne Technologien und DNA-Analysen revolutioniert wurde, bleibt die Hoffnung, dass auch andere ungelöste Fälle, wie die von Maria Köhler, eines Tages ein Ende finden. Der Fall beweist, dass selbst nach vielen Jahren noch Gerechtigkeit erlangt werden kann, wenn die Ermittler den Mut und die Entschlossenheit haben, nicht aufzugeben.
Für weitere Informationen zu diesem Fall und anderen ähnlichen Geschichten, besuchen Sie die vollständigen Berichte auf BR.de und Süddeutsche.de.