Heute ist der 16.04.2026 und die Situation rund um den Iran-Konflikt wirft auch im bayerischen Schnaittenbach Fragen auf. Die Minship, die einzige Hochseereederei Bayerns und die südlichste Hochseereederei Deutschlands, hat sich bisher nur indirekt von den Spannungen und Blockaden an der Straße von Hormus betroffen gezeigt. Der Chef von Minship, Matthias M. Ruttmann, berichtet, dass die Schiffe des Unternehmens überwiegend auf dem Atlantik unterwegs sind und dabei Güter wie Düngemittel, Kaolin, Linsen, Kichererbsen, Stahl und Salze zwischen Europa, Süd- und Nordamerika transportieren. Interessanterweise drehte ein Schiff kurz vor dem Ausbruch des Konflikts im Iran um, als es zur Straße von Hormus unterwegs war. Ruttmann bewertet die Iran-Krise kurzfristig als neutral bis positiv für sein Unternehmen, erwartet jedoch mittelfristig Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft.

Die Veränderungen bei Handelsrouten könnten zu Staus und Wartezeiten führen, was das Angebot und die Nachfrage in der Schifffahrt erhöht. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor sind die gestiegenen Treibstoffkosten, die um 50 Prozent angestiegen sind und zu vielen Diskussionen mit Kunden führen. In Küstennähe sind die Schiffe angehalten, spezielles marines Dieselöl zu verwenden, das teuer ist. Um die CO2-Bilanz zu verbessern, greift Ruttmann auf speziellen Biodiesel zurück. Er rechnet zudem mit einer Zunahme der Diskussion über die Regionalisierung von Rohstoffen. Minship hat eine beeindruckende 51-jährige Geschichte und beschäftigt an ihrem Standort in Schnaittenbach rund 30 Mitarbeitende, die etwa 26 Schiffe koordinieren. Zudem sind in Hamburg rund zehn Beschäftigte für das Unternehmen tätig.

Versicherungsproblematik in Krisenzeiten

Die Auswirkungen des Iran-Konflikts machen sich nicht nur in der Transportlogistik bemerkbar, sondern betreffen auch die Versicherungsbranche erheblich. In der Warentransportversicherung sind Krieg und kriegsähnliche Ereignisse grundsätzlich ausgeschlossen. Politische Risiken können zwar durch spezielle Klauseln wie die „DTV-Güter 2008 Kriegsklausel“ eingeschlossen werden, jedoch nicht für Kriegshandlungen an Land. Verzögerungen und Folgekosten durch Krieg sind ebenfalls nicht versichert. In der Vergangenheit, wie während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, haben Versicherer ihr Sonderkündigungsrecht für Kriegsrisiken ausgeübt, was zu einer Kündigungsfrist von nur zwei Tagen führte.

Aktuell zeigt sich die versicherungstechnische Lage in der Warentransportversicherung unruhig. Einige Versicherer haben bereits Kündigungen für Kriegsrisiken ausgesprochen, während andere noch abwarten. Insbesondere in der Schiffskaskoversicherung und der Charterer’s Liability Versicherung wurden in den letzten 24 Stunden Sonderkündigungen von Kriegsrisiken für die Golfregion ausgesprochen. Die Prämien für Kriegsdeckung steigen stark an, teilweise um 25 bis 50 Prozent, was die Situation für Reedereien wie Minship zusätzlich verkompliziert. Besonders betroffen sind Schiffe mit US- oder Israel-Bezug, die keinen Versicherungsschutz mehr erhalten.

Fazit und Ausblick

Die Lage bleibt angespannt und die Unsicherheiten, die der Iran-Konflikt mit sich bringt, werden die maritime Industrie weiterhin beschäftigen. Die Minship wird sich, wie viele andere Unternehmen auch, anpassen müssen, um den neuen Herausforderungen zu begegnen. Mit einer klaren Strategie und einem engagierten Team in Schnaittenbach könnte das Unternehmen jedoch in der Lage sein, auch diese turbulente Zeit zu überstehen. Die Entwicklungen in dieser Region und ihre Auswirkungen auf den globalen Handel werden sicherlich auch in den kommenden Monaten im Fokus stehen.