Heute ist der 20.02.2026. In der Region Inn-Salzach, insbesondere in den Landkreisen Mühldorf und Altötting, ist die wirtschaftliche Situation alarmierend. Die IHK für München und Oberbayern hat in ihrer aktuellen Konjunkturumfrage ein düsteres Bild der Lage gezeichnet, das auf eine Talfahrt der Wirtschaft hindeutet. Der IHK-Konjunkturindex ist um acht Punkte auf 99 gefallen, was deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 114 Punkten liegt. Dies ist die schlechteste Geschäftslage, die seit Beginn der regionalen Aufzeichnung im Jahr 2015 dokumentiert wurde. Besonders besorgniserregend ist, dass 36% der Unternehmen von einer schlechten Geschäftslage berichten und 63% hohe Energiepreise als Hauptproblem nennen. Weitere Herausforderungen sind hohe Rohstoffpreise, Handelshemmnisse und eine schwache Nachfrage.
Die IHK-Vertreter fordern dringend Reformen, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. 75% der Unternehmen sehen diese als Risiko, was einen Anstieg von 15% im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Zudem planen 24% der Unternehmen, ihre Investitionen zu reduzieren. Während 16% Stellen schaffen möchten, planen 28% einen Stellenabbau. Ein besonders einschneidendes Beispiel ist Wacker Chemie in Burghausen, das weltweit über 300 Millionen Euro einsparen möchte, was einen Personalabbau von über 1500 Stellen zur Folge haben wird. Auch im Chemiepark Gendorf in Burgkirchen ist die Situation angespannt, wo die Produktionsmengen 25% unter dem Höchststand von 2021 liegen und die Mitarbeiterzahl von 4000 auf 3600 gesunken ist.
Die Chemische Industrie unter Druck
Die Lage in der chemischen Industrie bleibt angespannt. Laut dem ifo Institut hat sich das Geschäftsklima in dieser Branche eingetrübt. Der Index stieg im Dezember zwar auf minus 11,4 Punkte, doch die Urteile zur aktuellen Geschäftslage verschlechterten sich auf minus 14,2 Punkte. Branchenexpertin Anna Wolf beschreibt die Situation der Chemieunternehmen als kritisch, da sie im internationalen Wettbewerb zunehmend benachteiligt sind, belastet durch hohe Steuern, Bürokratie und Energiekosten.
Die Kapazitätsauslastung in der Chemiebranche ist auf 75,4 Prozent gesunken, was den tiefsten Stand seit 2009 darstellt. Viele Unternehmen planen bereits einen Abbau von Arbeitsplätzen, und einige ziehen in Erwägung, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Ein Beispiel hierfür ist Linde, das nach seiner Fusion 2018 die Hauptsitze nach Irland und Großbritannien verlegte. Auch BASF investiert massiv in China, wo eine neue Produktionsstätte für über zehn Milliarden Euro entsteht. China hat sich als der größte Chemiestandort der Welt etabliert, mit geringeren Produktions- und Energiekosten.
Forderungen an die Politik
In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen fordern die Unternehmen von Bund, Ländern und Kommunen erhebliche Reformen, darunter den Abbau von Bürokratie, eine schnellere Bearbeitung gewerblicher Anliegen sowie eine wirtschaftsfreundliche Kommunalverwaltung und kluge Haushaltsführung. Ein Vorschlag zur Bewerbung um das bayerische Modellregionengesetz zur Vereinfachung von Verwaltungsprozessen wurde ebenfalls eingebracht. Diese Maßnahmen könnten entscheidend dazu beitragen, die Wirtschaft in der Region zu stabilisieren und die Abwanderung von Investitionen zu stoppen.
Die Region ist stark von der chemischen Industrie abhängig, die rund 40.000 Arbeitsplätze bietet und 6% der deutschen Chemieproduktion ausmacht. In der aktuellen Krise sind die Auswirkungen auch in anderen Sektoren wie der Automobilindustrie, dem Maschinenbau, der Stahlerzeugung und der Bauwirtschaft spürbar. Die IG BCE bescheinigt der Branche eine dramatische Lage, und eine Umfrage unter 4.500 Gewerkschaftsmitgliedern zeigt, dass 80 Prozent der Befragten pessimistisch über die Zukunft des Standorts Deutschland sind.
Die wirtschaftliche Situation in der Region Inn-Salzach ist somit ein Spiegelbild der Herausforderungen, vor denen die gesamte deutsche Wirtschaft steht. Es bleibt abzuwarten, ob die geforderten Reformen rechtzeitig umgesetzt werden können, um eine Wende herbeizuführen.
Für weitere Informationen zu den aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region können Sie die vollständige Analyse in der [IHK-Konjunkturumfrage](hier) nachlesen.
Zusätzliche Einblicke in die Lage der chemischen Industrie finden Sie in den [Deutschen Wirtschafts Nachrichten](hier).