Im Landkreis Altötting zeichnet sich ein besorgniserregendes Bild in der Secondhand-Modewelt ab. Der herkömmliche Secondhand-Markt steht am Rand des Abgrunds, und das hat primär mit der Flut an Billigtextilien zu tun, die die Container überquellen lässt. Der Kinderschutzbund Burghausen-Altötting beschreibt die Lage als „angespannt“. Mariella Röben, die Leiterin des Kinderschutzbundes, macht klar, dass die Situation schon seit einem Jahr brodelt und jetzt einen kritischen Punkt erreicht hat. Ein weiterer Rückschlag war die Absage der traditionellen Altkleidersammlung des BDKJ, die wohl ein Großteil der Altkleider in der Region abdecken sollte.
Die Container für Alttextilien, die von einem Entsorgungsunternehmen abgeholt werden, sind randvoll. Ehrenamtliche, die sich um die Sortierung der Spenden kümmern, können mit der Menge, die pro Woche rund 60 Säcke an Altkleidern erreicht, nicht mehr mithalten. Der Anstieg geht Hand in Hand mit extrem billig produzierter Neuware aus Kunstfaser sowie einer Vielzahl an neuwertigen Retouren und ungenutzter Sportkleidung. Billig-Anbieter wie Temu und Shein sind nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung, die nicht nur den Markt, sondern auch die Umwelt belastet.
Neue Herausforderungen durch EU-Vorschriften
Um den Herausforderungen in der Textilwirtschaft zu begegnen, wurden neue EU-Vorschriften eingeführt, die ab dem 1. Januar 2025 in Kraft treten. Diese Regelungen verbieten die Entsorgung von Alttextilien im Restmüll und fordern Hersteller zur Verantwortung. Sie müssen künftig die Kosten für Sammlung, Sortierung und Recycling tragen, was zu einer grundlegenden Reform im System führen könnte. Die Herstellungskosten sollen auch die Minikosten für die Produktionskette in den Fokus rücken. Hier wird ein Umdenken nötig sein, um das Problem nachhaltig zu lösen, wie europarl.europa.eu herausstellt.
Die Vorschriften verlangen auch, dass EU-Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um das Spenden von unverkauften Lebensmitteln zu erleichtern, was die Problematik des Lebensmittel- und Textilabfalls in den Mittelpunkt rückt. Bereits jetzt fallen jährlich in der EU rund 12,6 Millionen Tonnen Textilabfälle an, was einen immensen Druck auf die Entsorgungssysteme und Organisationen wie den Kinderschutzbund ausübt. Röben fordert eine grundlegende Reform des Systems, die das Mittragen der Entsorgungskosten auch durch die Texthersteller beinhaltet.
Zusammengefasst steht der Secondhand-Markt in Altötting unter enormem Druck, und die aktuellen Entwicklungen auf EU-Ebene könnten sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung darstellen. Der Kinderschutzbund kämpft weiterhin, damit die Spenden sinnvoll verwertet werden können und die Freude am nachhaltigen Konsum nicht in den Hintergrund rückt.