Im Landkreis Altötting mehren sich die Sorgen über die Belastung mit PFAS, insbesondere PFOA, die durch jahrzehntelange Altlasten wie Sickerwasser aus Deponien entstanden sind. PFAS – das sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, die extrem langlebig sind und sich in der Umwelt anreichern. Aktuelle Verfahren zur Beseitigung dieser Schadstoffe, etwa Filtration oder Verbrennung, zeigen große Mängel. Es ist teuer, energieaufwendig und vor allem ineffektiv, da diese Methoden die Chemikalien lediglich aus dem Wasser entfernen aber nicht zerstören. So berichtet Innsalzach24, dass seit 2009 eine Aktivkohlefilteranlage im Einsatz ist, die die Kosten in die Höhe treibt.
Doch ein kleiner Hoffnungsschimmer kommt aus Oberhaching. Das Start-up PFASuiki hat eine neuartige Technologie entwickelt, die in der Lage ist, PFAS nahezu vollständig abzubauen. Diese Methode nutzt elektrochemische Oxidation in Verbindung mit einem speziellen Elektrodenmaterial, das die PFAS-Moleküle anzieht und sie dabei gezielt zerlegt. So können als Endprodukte lediglich harmlose Grundbestandteile wie Kohlenstoff und Fluorid entstehen. Der Energiebedarf liegt dabei bei 15 bis 30 Kilowattstunden pro Kubikmeter Wasser, abhängig von der jeweiligen Wasserzusammensetzung.
Innovative Ansätze im Kampf gegen PFAS
Die Technologie von PFASuiki wird im kommenden Jahr 2026 mit einer Pilotanlage in Italien erprobt, die täglich zwischen 300 und 500 Liter Sickerwasser behandeln kann. Diese Anlage könnte ein wichtiger Schritt für eine flexible Anwendung der Technologie in verschiedenen Bereichen sein, etwa in Deponien oder Kläranlagen. Allerdings ist die Technik momentan nicht für die Reinigung von Trinkwasser geeignet, da die PFAS-Konzentrationen dort zu gering sind und die Energiekosten zu hoch sind.
Die Problematik rund um PFAS ist umfassender, als viele denken. Schätzungen zufolge gibt es weltweit 8000 bis 10.000 unterschiedliche PFAS-Verbindungen, die in den verschiedensten Produkten eingesetzt werden, von Outdoor-Bekleidung über Medizinprodukte bis hin zu Hochleistungsfeuerlöschmitteln. Aufgrund ihrer chemischen Stabilität findet man sie mittlerweile in Böden, Klärschlamm und Gewässern, wo sie gesundheitsschädliche Wirkungen entfalten können. Wissenschaftliche Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen PFAS und gravierenden Gesundheitsproblemen, zu denen Leber- und Nierenschäden sowie ein erhöhtes Risiko für Krebs gehören. Dies führt auch zur Verschärfung der gesetzlichen Regelungen in der EU, die ein Verbot dieser Stoffklasse anstreben, wie unter anderem Fraunhofer berichtet.
Globale Herausforderungen und lokale Auswirkungen
Die Herausforderungen sind nicht nur lokal, sondern auch global. In Norditalien, beispielsweise in der Kleinstadt Trissino, gibt es massive Umweltprobleme aufgrund von PFAS, die die Gesundheit von rund 350.000 Menschen gefährden. Eine öffentliche Klage, unterstützt von Greenpeace und sowohl betroffenen Bürgern als auch Gesundheitsexperten, kämpft gegen die Verantwortlichen, darunter Manager von Chemiefirmen, die für die Verunreinigung verantwortlich sind. Seit den 1930er Jahren werden PFAS in verschiedenen industriellen Anwendungen verwendet, und ihre Gefahren sind erst viel später erkannt worden. Der chemische Riese DuPont steht hier beispielhaft, da er seit Langem über die Risiken Bescheid wusste, aber weiterhin PFAS-haltiges Abwasser in die Umwelt geleitet hat. In den USA etwa haben fast 160 Millionen Menschen eine Belastung mit PFAS nachgewiesen, während in Europa die Zahl der kontaminierten Standorte bei über 23.000 liegt, wie DW zusammenfasst.
Die Situation im Landkreis Altötting bleibt also angespannt. Technologische Innovationen wie die von PFASuiki könnten eine Lösung bieten, doch bleibt abzuwarten, ob diese Ansätze flächendeckend Unterstützung finden und tatsächlich dazu beitragen können, die Belastung mit PFAS nachhaltig zu reduzieren.