Im Landkreis Altötting stehen Weichen für die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV). Der Umwelt- und Kreisausschuss hat jüngst dem Antrag zugestimmt, die Möglichkeit eines Beitritts zum Münchner Verkehrsverbund (MVV) zu prüfen. Dies geht aus einem Bericht von Innsalzach24 hervor. Am 14. Juli wird dann im Kreistag entschieden, ob diese Prüfung tatsächlich vollzogen wird. Die CSU-Kreistagsfraktion hat den Antrag eingebracht, und die Diskussion darüber sorgt bereits für rege Gespräche unter den Abgeordneten.
Vor einem Jahr zählte Altötting zu den Regionen, die einen Beitritt zum MVV eher skeptisch betrachten mussten, da die Haushaltslage eine solche Entscheidung nicht zuließ. Doch die Situation hat sich geändert: Der Nachbarlandkreis Mühldorf beabsichtigt, zum 1. Januar 2026 dem MVV beizutreten, was für Altötting neue Räumlichkeiten eröffnet. Landrat Erwin Schneider (CSU) sieht hier die Chance, dass ganz Südbayern eventuell in den MVV integriert werden könnte, weist aber auf einige spezielle Herausforderungen im Landkreis Altötting hin.
Vorteile und Herausforderungen
Ein Beitritt zum MVV bringt einige klare Vorteile mit sich: Ein einheitliches Tarifsystem, die Nutzung eines Tickets für den gesamten MVV-Raum sowie eine digitale Anbindung über die MVV-App sind nur einige der positiven Aspekte. Besonders hervorzuheben ist die 90-prozentige Förderung bei Infrastrukturmaßnahmen, die für Altötting von großer Bedeutung sein könnte. Jedoch muss der Landkreis auch mit möglichen Ausgleichszahlungen rechnen, etwa für abgesenkte Tarife und das geplante 365-Euro-Schülerticket.
Die Prüfung, die nun angestoßen werden soll, kostet etwa 63.000 Euro, wobei der Landkreis einen Eigenanteil von circa 35.000 Euro stemmen müsste. Besondere Bedingungen gibt es in Burghausen: Der dortige Citybus-Betrieb könnte mit einem Eigenanteil von 1,2 Millionen Euro ins Gewicht fallen. Wichtig ist, dass bis spätestens 1. Januar 2027 eine Entscheidung über den Beitritt gefällt werden sollte, um von der aktuellen Förderstruktur profitieren zu können.
Reaktionen und Vorbehalte
Während viele Vertreter verschiedener Fraktionen den Prüfauftrag unterstützen, äußert sich auch Skepsis. Kritische Stimmen, insbesondere von der AfD, hinterfragen die Zuständigkeit des Landkreises für private Fahrten und bringen die hohen Preise in München zur Sprache. Landrat Schneider betont, dass die Entscheidung über einen möglichen Beitritt noch aussteht und die Prüfung dem Ziel dient, alle Vor- und Nachteile transparent aufzuzeigen.
In einem zusätzlichen Schritt verändert sich im ÖPNV-Bereich auch das Angebot für Schülerinnen und Schüler: Das Jugendfreizeitticket wird eingestellt, während ein neues 365-Euro-Ticket für Auszubildende, Studierende und Freiwilligendienstleistende eingeführt wird. Schülerinnen und Schüler, die Anspruch auf Kostenfreiheit des Schulwegs haben, erhalten dieses Ticket vom jeweiligen Aufgabenträger, wie beispielsweise dem Landratsamt oder der Gemeinde. Selbstzahler können das Ticket bei der MVG oder der S-Bahn München erwerben. Diese neuen Regelungen fließen direkt in die Überlegungen des Kreistags ein und könnten die Attraktivität eines MVV-Beitritts steigern, wie lra-mue.de berichtet.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Bürger von Altötting bald von den Vorteilen eines Verkehrsverbunds profitieren werden. Bleibt abzuwarten, wie die Debatte im Kreistag am 14. Juli verläuft und welche Entscheidungen letztendlich getroffen werden.