In den letzten Tagen wurde der Landkreis Aichach-Friedberg durch einen Vorfall in Berlin aufgeschreckt, bei dem fast 50.000 Haushalte tagelang ohne Strom waren. Ein Brand an einer Kabelbrücke hatte diesen massiven Stromausfall verursacht und führte zu einem Antrag der CSU-Kreistagsfraktion, sich mit „Insellösungen“ für Blackouts auseinanderzusetzen. Diese Lösungen könnten helfen, den Landkreis in Krisensituationen besser abzusichern, wo bereits zahlreiche Biogasanlagen sowie Windkraft- und Photovoltaikanlagen existieren. Aktuell sind diese jedoch nicht in der Lage, die Gemeinden im Falle eines Blackouts zu versorgen.
Der CSU-Fraktionsvorsitzende Peter Tomaschko macht deutlich, wie wichtig es ist, die technischen Möglichkeiten und Investitionen für solche Insellösungen zu prüfen. Die Netzbetreiber LEW Verteilnetze und Bayernwerk spielen hierbei eine zentrale Rolle. Insellösungen sollen zudem das Konzept der „Leuchttürme“ ergänzen, die als zentrale Anlaufstellen im Falle eines Stromausfalls dienen sollen. Geplant sind 99 Leuchttürme, die rund um die Uhr besetzt und mit Notstrom versorgt werden sollen. Doch die Umsetzung dieser Insellösungen ist nicht so einfach, wie es scheint.
Herausforderungen und Möglichkeiten der Insellösungen
Die Kreisverwaltung und das Sachgebiet Sicherheit, Katastrophen- und Verbraucherschutz äußern, dass Insellösungen zwar unterstützenswert sind, jedoch schwer umsetzbar. Ein Pilotprojekt namens „Linda“ hat gezeigt, dass solche Lösungen grundsätzlich möglich sind, jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden sind. Bayernwerk erklärt, dass Insellösungen aktuell nicht verhältnismäßig oder sinnvoll realisierbar sind, was vor allem an regulatorischen Vorgaben liegt. Auch die Trennung zwischen Verbundnetzbetrieb und Inselbetrieb stellt eine Hürde dar.
Der Landkreis sieht die Netzbetreiber in der Verantwortung und wartet auf Ergebnisse einer Expertenkommission zur „Roadmap Systemstabilität“. In der politischen Diskussion gibt es jedoch unterschiedliche Meinungen: Kreisrat Erich Nagl (Freie Wähler) kritisiert den CSU-Antrag als übertrieben und verweist darauf, dass bereits Maßnahmen vom Landratsamt ergriffen wurden. Der Alternativvorschlag der Verwaltung wird favorisiert, um die Entwicklungen auf Bundes- und Landesebene abzuwarten. Der Kreisentwicklungsausschuss stimmte dem kombinierten Antrag schließlich mit sechs Gegenstimmen zu.
Die Rolle erneuerbarer Energien
Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, sind die Fragen um Notstrom, Ersatzstrom und Inselbetrieb von zentraler Bedeutung. Laut einer Umfrage von E.ON aus dem Jahr 2022 haben rund 40 % der Deutschen Angst vor längeren Stromausfällen. Auch wenn das deutsche Stromnetz zu den stabilsten weltweit zählt, mit einer durchschnittlichen Ausfalldauer pro Verbraucher von nur 12,2 Minuten im Jahr 2022, bleibt der Wunsch nach Unabhängigkeit und Absicherung bestehen, insbesondere bei Besitzern von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen).
PV-Anlagen sind standardmäßig an das öffentliche Netz gekoppelt und schalten sich bei einem Stromausfall ab. Um dennoch Solarstrom nutzen zu können, ist ein System erforderlich, das sich vom öffentlichen Netz trennen kann. Hierbei kommen verschiedene Systeme ins Spiel:
- Notstrom: Versorgt im Stromausfall bestimmte Geräte, meist nur 1-phasige Verbraucher.
- Ersatzstrom: Automatische Umschaltung auf Batteriestrom für alle Verbraucher.
- Inselbetrieb: Vollständig unabhängig vom öffentlichen Stromnetz und ermöglicht das Laden der Speicher mit Solarenergie.
Fazit und Ausblick
Die Integration von PV-Anlagen und Speichersystemen ist entscheidend für eine effektive Notstromversorgung. Notstromsysteme erfordern keine größeren baulichen Veränderungen, während Ersatzstromsysteme eine umfassendere Trennung vom Stromnetz benötigen. In Anbetracht der zunehmenden Herausforderungen durch mögliche Blackouts und Stromausfälle ist die Entwicklung einer gut durchdachten Notstromstrategie nicht nur eine sinnvolle, sondern auch notwendige Investition in die Unabhängigkeit der Bürger.
Für weitere Informationen zu diesen Themen können Sie die Artikel auf Augsburger Allgemeine, Photovoltaik.info und Solar-Experten.info nachlesen.



